Neustadt-Ostsee.de Ostseebad Neustadt, Pelzerhaken, Rettin




Text und Bilder: Sönke Hartz, Archäologisches Landesamt Schleswig
 

Jäger und Fischer bei Neustadt vor 6500 Jahren

 

Bereits vor mehr als 6000 Jahren - genauer gesagt um 440 - 4500 v. Chr. - lebte an der Ostseeküste vor dem heutigen Neustadt eine seßhafte Bevölkerung, die sich hauptsächlich von Jagd und Fischfang ernährte. Nach einer Fundstelle in Dänemark am heutigen Limfjord gehören sie zur sogenannten Ertebölle-, Muschelhaufen- oder Kökkenmöddingerkultur. Diese archäologische Kultur war im gesamten südwestlichen Ostseegebiet ziwschen 5500 und 4000 v. Chr. insbesondere an den Meeresküsten verbreitet. 

Taucher

Schon 1889 wurden erste Spuren erteböllezeitlicher Siedlungsplätze bei extremem Niedrigwasser vor dem damaligen Strandbad Marienbad entdeckt. Dabei handelte es sich um Werkzeuge aus scharfkantigen Feuerstein (Flint), die in großer Zahl ans flache Ufer vor der Promenade gespült wurden. Aber auch Nahrungsabfälle in Form von Wildtierknochen und Hornresten waren darunter. 

Seestern
Später fand man im Flachwasser vor Marienbad immer wieder Überrreste solcher Siedlungsaktivitäten, beispielsweise Mitte der 20er Jahre und Ende der 60er Jahre bei Baggerungen zur Erweiterung der Hafenanlagen oder zur Fahrrinnenvertiefung. Eine Auswahl der Fundstücke ist heute im Neustädter Kreismuseum Ostholstein im Kremper Tor ausgestellt, sie geben Zeugnis über die langjährige Vergangenheit der Hafenstadt.
Seit Frühjahr 2000 werden die steinzeitlichen Fundplätze bei Marienbad erstmals von professionellen Archäologen des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein untersucht, nachdem abermals reichhaltiges Fundmaterial von einem Marinetaucher der Marinetechnikschule Neustadt und Mitgliedern der Archäologischen Tauchgruppe Ostholstein entdeckt wurde. Dazu müssen Forschungstaucher der Universität Kiel und Taucharchäologen in drei bis vier Metern Wassertiefe systematische Ausgrabungen durchführen, denn nur in dieser Tiefe sind die damaligen Wohn- und Siedlungsbereiche noch weitgehend ungestört erhalten.
 
Die Ausgrabungen werden wie über Wasser mit Kelle, Spatel und Pinsel ausgeführt, allerdings werden die über den Fundschichten liegenden Deckschichten nicht abgeschaufelt, sondern abgesaugt. Die dabei anfallenden Kleinstfunde werden in einem engmaschigen Netz aufgefangen und an Land aussortiert, so dass nichts verloren geht.
Vieles wurde bisher gefunden: verschiedene Werkzeuge aus Feuerstein wie Beile, Schaber, Bohrer und Pfeilspitzen, dazu Geräte und Jagdwaffen aus Knochen und Geweih sowie die Überreste der Malzeiten der Küstenbewohner. So weiß man nun, dass hauptsächlich Rothirsche, Rehe, Fuchs, Wildkatze und Baummarder gestellt wurden.
 
WerkzeugWerkzeug
 
Seesäuger wie Robben, Seehunden und Schweinswalen rückte man mit kräftigen Harpunen zu Leibe, die aus Walknochen hergestellt sind. Ob größere Wale auch zur marinen Jagdbeute gehörten, ist nicht gesichert, vielleicht wurden auch gestrandete Tiere als Nahrungs- und Rohstoffquelle genutzt.
 
Werkzeug1
 
Ein anderes bedeutendes Nahrungsmittel war der Fisch. Tausende von Fischwirbeln zeugen davon, dass man hauptsächlich Dorsche und Plattfische fing, während Aale und andere Brack oder Süßwasserfische hingegen seltener auf der Speisekarte standen. Wie man den Fischfang betrieb ist noch nicht abschließend geklärt, allerdings weiß man aus benachbarten Gegenden, dass Reusen, Fischzäune, Netze und Angelhaken schon seit vielen hundert Jahren im Einsatz waren.
Obwohl die Archäologen bereits ein einfaches Bild vom Siedlungsgeschehen zeichnen können und sich die Umweltverhältnisse der damaligen Menschen recht genau rekonstruieren lassen, bleiben noch viele Fragen ungeklärt: Wie sahen die Häuser der Küstensiedler aus, wie groß waren ihre Siedlungen und wie waren sie organisiert? Welche Kontakte und Handelsbeziehungen bestanden zu anderen Stämmen aus nah und fern und wie groß waren solche Gruppen? Und wie bestattete man die Verstorbenen?
 
 
Siedlung
 
Weiter submarine Untersuchungen im Hafen von Neustadt sollen hier in den kommenden Jahren Klärung bringen. Vielleicht kommt dabei auch heraus, dass sich die maritime Vorgeschichte der Stadt noch um einige Jahrhunderte weiter zurückverfolgen läßt.
 
Advertisement

Newsletter







Bildergalerie

Service
Aktuell 14 Gäste online




Website by BalticSoft ...powerd by OnTouris
Template by Netshine Software Limited

Partners: Workfile - Eckernförder - Ostseebad Neustadt - onTouris - Ostsee-Urlaubsparadies